Am 11. November 2009 besetzten Studenten und Studentinnen das Audimax der Humbolt–Universität zu Berlin. Seitdem nutzen sie den Raum um ihre Forderungen zu erarbeiten und um ihren Protest zu organisieren. Es haben sich Arbeitsgemeinschaften gebildet, die jeden Abend in einer Plenarsitzung ihre Ergebnisse zur Diskussion stellen. Das Audimax wird aber auch genutzt, um in laufenden Vorlesungen auf den Bildungsstreik aufmerksam zu machen, zuletzt mit einer Protestinszenierung von Dasniya (29). Die Gaststudentin und darstellende Künstlerin seilte sich während einer Juravorlesung in einer dreistündigen Performance über die Köpfe der Studierenden ab. “Unter anderem möchte ich die StudentInnen ansprechen, die den Protest nie begonnen oder bereits abgestempelt haben. Und diejenigen, die von schleppenden Forderung nach Abschaffung der Anwesenheitskontrollen genervt sind, ..oder abgeschreckt sind von skandierten Forderungsparolen. Deshalb habe ich eine körperliche, assoziative Protestform gewählt, die im normalen Bildungsalltag stattfindet. So werden irritierende Unterrichtsmomente geschaffen, wie eben dieser ‘unstudierbare Studienplatz’ in der Luft.”

Die Reaktionen der SeminarteilnehmerInnen sind verschieden. Der aussichtslose Versuch von der Decke hängend eine Vorlesung mitzuschreiben wird mit Zwischenapplaus und unsicheren Blicken kommentiert. In der Pause noch ein Wortwechsel zwischen der Akteurin und dem Professor, sowie stündlich eine Scheibe Tostbrot für die Hängengebliebene des deutschen Bildungssystems.

Text: Jonas Braun

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